Unsere Mittelwand-Giessform in Einsatz

2016 wurde eine Mittelwand-Gussform für den IV Reinickendorf-Mitte e.V. erworben.

Die GRAZE-Doppelgiessform für 2x Langstroth konnte nun ihrem ersten Praxiseinsatz unterzogen werden. Fazit vorab: Es funktioniert...aber nicht ganz so einfach wie es YouTube & Co. glauben machen! Es gibt doch viel "Bastel- und Erfahrungsbedarf", manches wäre produktseitig vermeidbar gewesen - anderes sicherlich nicht.

Geliefert wurde wie gewünscht die Version mit einer Silikonschürze damit das überschüssige Wachs einfach zurück in den Schmelzbehälter geführt wird und nicht mit (Kühl)Wasser in Kontakt kommt.

1. Aufbau:

Erstes Problem war der Anschluss des Wasserzulaufes des Gerätes: der sehr kurze Stutzen ist mit einem Reduktionsstück versehen so dass der Wasserdruck dort sehr hoch ist. Einzig eine Schlauchschelle muss hier als Halt dienen - eine sehr unglückliche Lösung da es sehr umständlich war, diese Stelle einigermassen dicht zu bekommen. Die Fa. GRAZE schrieb mir, man mache das "seit 30 Jahren so" und es habe sich noch nie einer negativ dazu geäußert.

Damit wird der Umzug der Giessform unnötig erschwert; hier muss mal wieder gebastelt werden um z.B. einen normalen Bajonett-Verschluss einzubauen. Das hätte auch den Vorteil, dass man den Wasserzustrom direkt an der Form unterbrechen kann und nicht zum Wasserhahn laufen muss. Vermutlich haben genau das die bisherigen Käufer dreissig Jahre lang unkommentiert gemacht und keiner hat es dem Hersteller mal gesagt...

Nach Rücksprache mit Herrn Graze habe ich es nun mit zwei verschiedenen Schläuchen und neuen Schellen versucht - Ergebnis gleichermassen schlecht bis schlechter; er schickt mir auch noch mal einen separaten Reduzierstutzen!

Ansonsten ist der Aufbau selbst erklärend; eine Fixierung der rund 15 kg schweren Form am Tisch erschien mir nicht erforderlich; ist es aber spätestens dann wenn der Wachsrückfluss in den Schmelzbehälter verrutschen kann! Mit rund 55 cm Breite und 60 cm Tiefe zzgl. Stapelplatz daneben braucht es aber ordentlich Platz für die Form!

Als Schmelzgefäß diente zum Test ein Einkochtopf mit Wasser, in dem ein Edelstahleimer mit dem Wachs gestell war. Der Topf wurde kippsicher aufgeständert, damit das Wachs beim Zurücklaufen nicht spritzt oder sein Ziel verfehlt.

2. Befüllung:

Nach vielen Versuchen war der Wasserzulauf auch bei geringsten Hahnöffnung einigermassen dicht und die in der Form verbleibende Luft wurde durch seitliches Schwenken ausgetrieben.

3. Betrieb:

Mitgeliefert wird eine sehr ausführliche Anleitung, die jedoch zum einen auf die Standardform (mit Wachsrücklauf in das Kühlwasserbecken) und zum anderen auf kleinere Formate zurecht geschnitten ist. Daher passten so einige Dinge nicht zueinander.

So ist die mitgelieferte Kelle zu klein - man muss 2x schöpfen um ausreichend Wachs zu nehmen. Das dauert zu lange und es kommt zu Bruchkanten in der Mittelwand. Nach einigen Versuchen wurde ein ausgedienter Milchtopf mit Tülle verwendet, der ausreichend Wachs in einem Schwung lieferte.

Zudem wurde das Wasserbad auf 90°C erwärmt damit das Wachs in der gekühlten Form ausreichend lange flüssig bleibt - die benannten 80°C waren nicht ausreichend; das mag aber auch hier an Wärmeverlusten beim Schmezen liegen...das ist noch verbesserungsfähig.

Das zügige, aber am Ende langsame Schließen der Form hat man schnell raus - es spritzt praktisch nichts seitlich raus. Ein kurzes Andrücken und dann hat man etwas Zeit. Trotz Kühlung sind bei minimalstem Wasserdurchfluss etwa 40 Sekunden erforderlich ehe die Mittelwand entnommen werden kann.

In dieser Zeit wird die Front mit dem mitgelieferten Spachtel gereinigt und das feste Wachs zurück in den Topf befördert. Das Öffnen wird mit zwei seitlichen Hebeln erleichtert.

Lobenswert ist die tolle Trennung von der Form - ein Trennmittel (Wasser-Honig-Gemisch o.ä.) ist überhaupt nicht erforderlich und die Mittelwände sind trocken und noch leicht biegsam gut stapelbar. Es braucht keine Druckluft (und damit keinen Kompressor) zur Entnahme der Mittelwände.

Die angegebene Geschwindigkeit von bis zu 60 Mittelwänden pro Stunde ist zumindest für diese Form kaum zu schaffen...selbst bei stärkerer Kühlung braucht das Handling seine Zeit; die recht großen Platten kann man auch kaum schneller rausnehmen. Aber wir werden das fleissig üben und die Zeit weiter "stoppen". Schneller als jetzt geht es bestimmt!

Das verwendete Wachs war durch Feinstrumpfhose gefiltert und durch langsames Abkühlen und anschließendes Abkratzen des Blocks gereinigt wurden. Es hat rund 6 Monate als Block "geruht" und war damit qualitativ ausreichend...jedoch nicht ganz so sauber wie ich dachte.

Der Zuschnitt auf das gewünschte Maß mit z.B. einem Messer und einem auf die gewünschten Masse zugeschnittenen Brett ist problemlos; mitgeliefert wurde eine Edelstahlform für Langstroth-Mittelwände.

4. Ergebnis:

Bei entsprechend hoher Wachstemperatur liessen sich recht gute Gießergebnisse erzielen - allerdings nur vor dem Hintergrund, dass daraus nur jeweils eine DN 1,5-Mittelwand geschnitten werden soll. Wer tatsächlich 2x Langstroth erzielen will, muss wohl noch mehr üben denn viele Güsse hatten eingerissene Ecken und Seiten. Das wird aber eher Übungs- und Wachssache sein und wird sich geben.

Laut Waage ist so eine Mittelwand rund 50 g schwerer als die gewalzte Variante und das Wachs ist auch sichtbar weniger rein (dafür kann aber die Form nichts ;-).

Dafür ist es 100% eigenes Wachs und kein Paraffin, Stearin oder was auch immer...

In der Textur feiner und mit hellerer Farbe kommt das für den Kerzenguss vorbereitete Wachs daher. Diese Wände reissen auch weniger - die Qualität ist also wirklich nicht unerheblich für das Ergebnis!

5. Außerbetriebnahme:

Zum Leeren muss die Form an Zu- und Ablauf belüftet sein und die beiden Schläuche in einen tiefergelegten Eimer o.ä. geführt werden. Durch seitliches Kippen leert sich die Form; für den letzten Rest wird sie vorne angehoben und seitlich gekippt so dass der Zulauf unten liegt. Dann leert sich die Form weitgehend. Wachsreste wurden so gut wie möglich entfernt; die Form wird verschlossen gelagert. Wachsreste auf der Matritze wurden zuvor mit dem mitgelieferten, trockenen Pinsel abgebürstet.

6. Wie geht es weiter?

Die Form steht den Mitgliedern des Imkervereins zur Verfügung bis wir die stationäre Aufstellung in einer vereinseigenen Wachsküche realisieren können. Noch handelt es sich aber nur um die Form alleine - Schmelzgerätschaften und Zuschnitt- und Wasseranschlussmöglichkeiten muss jeder noch selbst bereitstellen.

Ein entsprechendes "Leihverfahren" und Transportmöglichkeiten sind in Vorbereitung!

>> zur Anleitung "Verwendung der Giessform" (nur für Mitglieder) >>

Update vom 7.1.2017:

Inzwischen haben ich von den Herstellern der sog. "Blauton"-Matritze Probeabgüsse ihrer verschiedenen Varianten (nC-Cell und ncCell rapid) bekommen. Tatsächlich sind die Abgüsse nicht nur wesentlich schärfer als auch wesentlich dünner. Auf das gleiche Flächenmaß geschnitten wiegen die Abgüsse wie folgt:

  Graze Blauton nC-Cell Blauton nC rapid
Gewicht/g 22 17 11
Wachsersparnis in % gegenüber der GRAZE-Form 100 % 23 % 50 %

Insgesamt also durchaus beeindruckend wobei sicherlich noch andere Kriterien wie Ablösung der Mitelwände, Handhabbarkeit beim Einlöten und und Ausbau zu testen wären.

Doch selbst die dünnen nc rapid-Matritzen waren gut stabil und handzuhaben trotz nur der Hälfte der Dicke!

Leider nur waren eben zum Zeitpunkt der Anschaffung keine ausgereiften, sofort nutzbaren Komplettsysteme käuflich zu erwerben, die auch große Wabenmaße abdecken - daher waren die Blauton-Matritzen keine Alternative für eine vereinseigene Form. Wer jedoch selber bauen will, sollte sich diese Matritzen einmal anschauen: >> http://www.schwarmhilfe.de/blauton-silikon-matrizen.html

Ein Bild der Abgüsse findet sich am Ende der Galerie (bitte in gross anschauen für Details).

Update vom 18.4.2017:

Inzwischen ist unsere Mittelwandgussform ausgiebig gewandert - insgesamt haben nun sechs Personen mit mehr oder weniger Vorerfahrung eigene Mittelwände gegossen. Insgesamt sind alle angetan von der Form und der Handhabung und inzwischen sind auch die letzten Kinderkrankheiten behoben:

1. Es wurde eine größere Kelle gestiftet, die mit 600 ml nun auch genug fasst um endlich in einem Schwung giessen zu können.

2. Ein erfahrener Schlosser und Dreher hat das mitglieferte Reduktionsstück nachgefertigt, so dass es nun endlich eine wasserdichte, feste Verbindung mit dem Gartenschlauch geben kann. Das neue Stück hat ein überstehendes Ende, das nun wirklich bündig in den Gartenschlauch passt. Nachdem die Hälfte der Nutzer Probleme mit der Abdichtung hatten, war das nun die perfekte Lösung!

Herzlichen Dank an Miguel, der sich hier den Kopf zerbrochen und diese Probleme gelöst hat!